Die Initiative verlangt ein Zentrum ohne neue Strasse
Die geplante neue, gross dimensionierte Strasse bringt aus unserer Sicht fast nur Nachteile:
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Nur rund 40 Meter des Zentrums würden dadurch verkehrsfrei – und dies ausserhalb des eigentlichen Einkaufsbereichs.
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1000m2 wertvolles Land an zentraler Lage wird für eine unnötige Strasse vergeudet.
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Die Hälfte des über Jahre angehäuften Gemeindevermögens geht mit der aktuellen Zentrumsplanung verloren.
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Die neue Strasse löst das eigentliche Verkehrsproblem nicht. Nach wie vor würde vermeidbarer Durchgangsverkehr ins Zentrum geleitet.
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Es bestehen verträglichere Alternativen, die bisher nicht ausreichend geprüft wurden.
Die Gemeinde vertritt die Auffassung, zur neuen Zuführungsstrasse gebe es keine Alternative. Diese Aussage greift jedoch zu kurz, weil das Grundproblem nicht gelöst wird: der Durchgangsverkehr durch das gesamte Zentrum (rot umrandet: Verkehrsschätzungen der Gemeinde, schwarz umrandet: unsere Schätzungen je in Fz/Tag).
Ein erheblicher Teil des Durchgangsverkehrs aus dem Aargau wird direkt ins Zentrum geleitet. Die linke Grafik zeigt, dass im Jahr 2040 den Bahnübergang bei der Arnistrasse täglich rund 1’800 Fahrzeuge passieren werden. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Durchgangsverkehr, der durch den «Engpass» geführt wird. Zwei der drei Teams der Testplanung schlugen deshalb vor, diesen Übergang für den motorisierten Individualverkehr zu schliessen. Unsere Schätzungen in der rechten Grafik zeigen: Würde der Bahnübergang beim Bahnhof für den motorisierten Individualverkehr geschlossen, könnte das Verkehrsaufkommen im Zentrum gegenüber der Prognose mit der heutigen Verkehrsführung (Mitte) auf etwa die Hälfte oder noch stärker reduziert werden.
Wahrscheinlich wäre nicht einmal eine Schliessung des Bahnübergangs erforderlich. Bereits ein Fahrverbot auf der Arnistrasse (mit Ausnahmen für Anwohner / Landwirtschaft) könnte eine ähnliche Wirkung erzielen und den Durchgangsverkehr auf die Maienbrunnenstrasse lenken. Das verbleibende, dörfliche Verkehrsaufkommen im Zentrum liesse sich mit Begegnungs- oder Fussgängerzonen, verträglich organisieren.
Die Initiative verlangt keine bestimmte Verkehrslösung. Die Ausarbeitung einer fachlich überzeugenden Variante ist Aufgabe professioneller Verkehrs- und Raumplaner. Das dargestellte Beispiel soll lediglich zeigen, dass die geplante Strasse keineswegs alternativlos ist. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass der bisherige Betrachtungs- und Planungsperimeter zu eng gefasst wurde: Beim Auftrag zur Testplanung wurden nur das SBB-Areal in den Betrachtungsperimeter aufgenommen. Der Lindenkreisel, die Alte Zwillikerstrasse und das Gebiet östlich der Bahnlinie und damit das eigentliche Grundproblem, der Durchgangsverkehr, blieben weitgehend ausgeklammert. Unter diesen Voraussetzungen konnte kaum eine überzeugendeGesamtlösung entstehen.
Für eine ergebnisoffene Neubeurteilung braucht es deshalb ein unabhängiges Planungsteam, das an den bisherigen Planungsprozessen der Gemeinde oder beteiligter Grundeigentümer nicht mitgewirkt hat. Nur so kann unvoreingenommen geprüft werden, wie ein attraktives, gut erreichbares und zugleich dorfverträgliches Zentrum ohne neue Strasse gestaltet werden kann. Samuel Schweizer hat zudem öffentlich erklärt, dass das Unternehmen Ernst Schweizer AG die neue Strasse nicht benötigt. Auch dies spricht nicht dafür, die Strasse unter den gegenwärtigen Voraussetzungen zu bauen.
Bevor heute mit erheblichen öffentlichen Mitteln eine neue Strasse gebaut wird, müssen vorgängig auch mögliche spätere Entwicklungen des sehr grossen Industrieareals Schweizer und deren verkehrliche sowie finanzielle Auswirkungen sorgfältig und transparent untersucht und geregelt werden. Eine Umnutzung zu einem späteren Zeitpunkt könnte nämlich eine Verdichtung und ein Verkehrsaufkommen anderer Dimension auslösen. Auch wenn dies unbestimmt in der Zukunft liegt, sollten die Risiken und Lasten nicht einseitig bei der Gemeinde.
Jürg Werner